Der Ablauf eines Tastings

Nachdem die Vorbereitung abgeschlossen ist und Ihre Gäste eingetroffen sind, beginnt die zweite Phase des Tastings: Der Gastgeber begrüßt seine Gäste und übergibt das Wort an den Presenter, der das gewählte Thema des Abends noch einmal kurz vorstellt und allen Teilnehmern des Tastings erklärt, was jetzt passieren wird und welche Flaschen verkostet werden. Ideen für Line-Ups finden Sie hier. Je nach Thema und Presenter startet der Abend mit einer Einführung in die zu verkostende Spirituosen-Kategorie mit ein wenig Hintergrundwissen zur Historie, der Herstellung und zur Warenkunde. Manchmal untermalt mit einer audiovisuellen Präsentation. Das jeweilige Line-Up verdient zumeist auch eine Flasche-für-Flasche-Vorstellung. Und dann ist es soweit: let the Tastings begin!

 

Vorhang auf: Das Aussehen

Wenn Sie Ihren Whisky (oder jede andere Spirituose) im Glas haben (es genügt 1 cl), schauen Sie sich die Flüssigkeit zuerst genau an. Halten Sie das Glas gegen das Licht und versuchen Sie, die Farbe des Inhalts zu beschreiben. Mit Begriffen wie „hell oder dunkel“ kommen Sie nicht weit. Mit Strohblond, Weißweinfarben, Gelbgold, Blassorange, Sherryfarben und Bernsteinfarben kommen Sie der Tasting-Sache schon näher. Versuchen Sie, jede Nuance so gut wie möglich zu beschreiben.

Wenn Sie das Glas schwenken und neigen und die Innenwände mit der Spirituose benetzen, können Sie Schlierenbildung beobachten: Ihr Whisky bekommt sozusagen „Beine“. Wenn Sie lange Beine sehen hat der Whisky einen hohen Alkoholgehalt. Läuft er in deutlichen Tränen herunter oder eher glatt? Sehen Sie deutliche Schlieren, die nur sehr langsam verschwinden, enthält der Whisky viele Öle und hat einen vollen Körper.

 

Die Stunde des Nasenglases: Der Duft

Der zweite Schritt ist das Nosing, das Riechen am Whisky. Wichtig dabei: Whisky ist ein hochprozentiger Alkohol, der sehr flüchtig ist. Nosinggläser sind bestens dafür geeignet, die entstehenden Alkoholdämpfe im Glas zu bewahren. Wenn Sie nun beherzt Ihre Nase tief ins Glas halten, werden Sie vor lauter beißendem Alkohol die Feinheiten des Whiskys nicht wahrnehmen können. Also: Die Nase über das Glas führen und vorsichtig Kontakt aufnehmen. Wenn Sie den Eindruck haben, zu wenig wahrnehmen zu können, so schwenken Sie das Glas ein wenig, um das Aroma zur Entfaltung zu bringen.

Was riechen Sie? Suchen Sie nach passenden Vergleichen, um das Wahrgenommene zu beschreiben. Rose? Zitrone? Gras? Vanille? Lagerfeuer? Käsekuchen? Asphalt nach frischem Sommerregen? Sie würden sich wundern, was manch einer herausriecht. Unser Geruchssinn ist stark verknüpft mit unserem Gedächtnis und bei neuen Gerüchen sucht unser Gehirn in den Erinnerungen nach Situationen, in denen uns ein ähnlicher Duft bereits einmal begegnet ist. Fahren Sie Ihren Geruchssinn zwischendurch einmal herunter und versuchen ihn zum Beispiel mit Wasser zu neutralisieren. Dann nehmen Sie erneut Nasenkontakt zum Whisky auf. Neue Eindrücke?

 

Das große Finale: Der Geschmack

Jetzt kommt der ersehnte Moment: Der erste kleine Schluck verweilt nur kurze Zeit im Mund und ist zur Einstimmung gedacht. Nehmen Sie nach kurzer Zeit einen zweiten Schluck und lassen Sie ihn im gesamten Mundraum wirken, bevor sie ihn herunterschlucken. Manche Whiskyfreunde empfehlen, möglichst dabei viel Sauerstoff an den Whisky zu lassen, also schlürfen, kauen oder Luft einziehen dabei – erlaubt ist, was gefällt.

Jetzt nehmen Sie alle Aromen des Whiskys wahr. Versuchen Sie herauszufinden, wo Sie etwas schmecken. An der Zungenspitze, an den Seiten oder im Rachenraum. Wir schmecken süß, salzig oder bitter an unterschiedlichen Stellen im Mund. Der Whisky entwickelt sich auch im Mund. Schmecken Sie zuerst nur Pfeffer am Zungenrand, kommen vielleicht Mandel und Orange nach einigen Sekunden am Gaumen dazu. Lässt sich der Rotwein ahnen, der Ihrem Whisky im Fass begegnet ist?

Wenn der hohe Alkoholgehalt manches überlagert, lassen Sie einige Tropfen Wasser in den Whisky fallen, schwenken leicht und nehmen wieder einen Schluck. Das Wasser setzt nun weitere Aromen frei.

 

Generelle Tipps für den Ablauf Ihres Tastings

Planen Sie nicht zu viel: denn ein gelungenes Tasting lebt von der Spontanität. Der Spaß an der Verkostung von Whisky (und anderen Spirituosen) sollte nicht durch zu viele Regeln oder zu viel Ernst verloren gehen. Im zwanglosen Assoziieren liegt ein großer Reiz des gemeinsamen Tastings. Der Presenter wird dafür Sorge tragen, dass alle Teilnehmer auf ihre Kosten kommen.

Vertrauen Sie keinen vorgegebenen Tasting Notes: Auch wenn es interessant ist, seine Eindrücke mit den offiziellen zu vergleichen. Meist ist es irritierend, denn Tasting Notes der Hersteller sind blumig geschrieben und versprechen zuweilen mehr, als der Whisky halten kann. Zudem neigen die Marketing-Mitarbeiter der Destillerien dazu, nur schöne Aromen wie Blüten, Früchte, Gewürze oder holzige Noten zu erwähnen. Schließlich könnte es potentielle Käufer abschrecken, wenn ein Single Malt nach verbranntem Holz riecht bzw. schmeckt. Dabei haben genau diese Aromen doch auch ihre Berechtigung und können einen Whisky erst spannend machen.

Wichtig ist es auch, beim Verkosten auch Anfänger und Nicht-Whisky-Trinker in der Runde mit einzubeziehen: Gerade erfahrene Whisky-Genießer neigen häufig dazu, sich als Kenner aufzuspielen und nur noch in Fachvokabular zu reden. Das schreckt Einsteiger ab und verdirbt ihnen den Spaß am zwanglosen Probieren. Am Ende geht es beim Whisky-Tasting doch ums gemeinsame Genießen.

Und zuletzt noch ein Tipp: Es kann richtig Spaß machen, eine Rangfolge der verkosteten Whiskys aufzustellen. Jeder Teilnehmer vergibt in diesem Fall Punkte für den Whisky. Am Ende wird dann eine Flasche als Sieger des Abends gekürt.